Von Alisa Schäfer.

Neowise (Foto: Dirk Martinek)

Wir alle kennen ihn. Wir haben ihn in Kirchen, in der darstellenden Kunst und an vielen anderen Orten gesehen. Vielleicht haben einige von uns ihn auch zu Hause in Form eines Herrnhuter Sterns oder als Strohstern am Weihnachtsbaum. Laut Matthäus 2 im Neuen Testament führte er die Heiligen 3 Könige nach Bethlehem zu Jesus in der Krippe.

Aber gab es diesen Stern wirklich? War er vielleicht eine (Super)nova, ein Komet wie Neowise, den wir letzten Herbst auch über Dinslaken bewundern konnten oder eine andere Himmelserscheinung? In den antiken oder chinesischen Quellen ist von einem neuen Stern (Nova bzw. Supernova) um Christi Geburt nichts erwähnt.

Was ist mit einem Kometen? Der vielleicht berühmteste Komet in der Antike war Caesars Komet, der am 18. Mai 44 v. Chr. entdeckt,  auf vielen Münzen abgebildet und damit überall im Römischen Reich verbreitet wurde. Er war das Zeichen für die Vergöttlichung des kurz vorher ermordeten Diktators Gaius Julius Caesar – vgl. Wikipedia Caesar`s Comet. Aber 44 v. Chr. ist viel zu früh für den Weihnachtsstern. Vielleicht hat jedoch seine weite Verbreitung als Zeichen der Göttlichkeit Caesars zu einer Legendenbildung um Christi Geburt angeregt?

Was ist mit einem periodischen Kometen wie dem Halleyschen? Er wurde bereits 240 v. Chr. gesichtet. Zur  Zeit um Christi Geburt war er im Perihel (sonnennächster Punkt) am 11. Oktober 12 v. Chr. – vgl. Wikipedia Halleyscher Komet. Christi Geburt wird aber zwischen 7 und 4 v. Chr., dem Todesjahr des Königs Herodes des Großen, angenommen. Also fällt er auch aus.

Daneben wird noch eine sehr seltene, dreifache große Konjunktion von  Jupiter und Saturn (beide Planeten standen mit Sonne und Mond in einer Linie) im Sternbild Fische im Jahr 7 v. Chr. von dem Astronomen und Astronomiehistoriker Konradin Ferrari d´Occhieppo vorgeschlagen. Wegen der drei Konjunktionen hätten die Weisen genug Zeit gehabt, nach Jerusalem zu reisen. Darüber hinaus sind inzwischen mindesten 4 Keilschrifttafeln bekannt, auf denen die Umlaufbahnen von Jupiter und Saturn von den Babyloniern im Jahr 7 v. Chr. vorausberechnet wurden.  Am 12. November 7 v. Chr. hätten die Weisen aus dem Morgenland die Planeten in der Abenddämmerung direkt vor Augen gehabt, als sie von Jerusalem nach Bethlehem ritten. Nach Eintritt der astronomischen Dämmerung hätten sie das Planetenpaar an der Spitze des Zodiakallichtkegels (leuchtende Staubpartikel in der Umlaufbahn) gesehen. Dessen Achse habe während des Ritts die ganze Zeit auf Bethlehem gezeigt. Die Heiligen 3 Könige seien also am 12. November 7 v. Chr. an der Krippe angekommen und Christi Geburt wäre deshalb früher anzunehmen. Aber selbst wenn die Planeten Jupiter und Saturn an diesem Tag im Sternbild Fische stillstanden, verschmolzen die beiden Lichtpunkte nie, so dass nicht, wie in der Bibel beschrieben, von einem Stern die Rede sein kann. Schließlich gibt es noch andere Konjunktionstheorien und eine Horoskoptheorie, auf die hier jedoch nicht näher eingegangen sein soll – vgl. Wikipedia Stern von Bethlehem.

Bleibt als Fazit: Ob es den Stern von Bethlehem wirklich gab, ist umstritten. Ob er ein mythologisches oder theologisches Verkündigungsmotiv bzw. eine Legende darstellt oder ob es tatsächlich eine (Super)nova oder einen Kometen gab, der nirgendwo anders als bei Matthäus 2 in der Bibel überliefert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

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